Ernährung nach der chinesischen Medizin – Rezepte nach Yin & Yang

Mit der richtigen Ernährung die Gesundheit beeinflussen

von Anke Wibschek

Die 2000 Jahre alte Heilkunde aus dem Reich der Mitte hat längst den Westen erobert. Akupunktur, Harmoniemassagen und Ying und Yang sind schon lange keine Fremdwörter mehr für europäische Menschen. Auch die Lebenseinstellung, dass eine gesunde Ernährungsweise für Ausgeglichenheit und Wohlempfinden wichtig ist, hat die westliche Welt erreicht.

Grundsätze der traditionellen chinesischen Ernährung

Die traditionelle chinesische Ernährung bezieht alle Arten von Lebensmitteln mit ein und ist dementsprechend nicht vegetarisch. Nur industriell verarbeitete Lebensmittel werden abgelehnt. Fastfood steht somit nicht auf dem chinesischen Speiseplan, was erheblich zu einer gesunden Ernährung beiträgt. In Punkto Trinken hat die traditionelle Ernährung strenge Regeln. Eine halbe Stunde vor und nach dem Essen dürfen keine Getränke zu sich genommen werden. Dies hat den Hintergrund, dass Essen im Magen nicht durch Flüssigkeiten verdünnt werden sollten. Außerdem gibt es die Regel, dass jeder Bissen mindestens 15 Mal gekaut werden muss. Dies hat den Vorteil, dass der Magen weniger arbeiten muss. Zudem hält längeres Essen auch länger satt.

Bedeutung von Yin und Yang

Yin und Yang stehen für zwei entgegengesetzte und trotzdem aufeinander bezogene Kräfte, die sich durch alle Lebensbereiche ziehen. Als ideale Lebensweise wird ein Ausgleich zwischen beiden Kräften angestrebt. Es gilt also, das richtige Mittelmaß zu finden. Besteht keine Harmonie zwischen Yin und Yang im Körper, erkrankt der Mensch.

Yin und Yang Ernährung

Mit einer bestimmten Ernährungsweise wollen die Chinesen die Harmonie zwischen Yin und Yang in ihrem Körper erhalten beziehungsweise bei einer Erkrankung wiederherstellen. Bei Ying und Yang sollen Gegensätze zur Harmonie verhelfen. Im Winter sollen deshalb warme Speisen und im Sommer kaltes Essen verzehrt werden.

Die traditionelle chinesische Medizin teilt die unterschiedlichen Lebensmittel in Yin und Yang ein. Dabei steht der Ausdruck Yin für kalte oder flüssige Lebensmittel und Yang betrifft warme oder trockene Speisen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die chinesische Einteilung von Lebensmitteln:

Yin-Lebensmittel: Yang-Lebensmittel: Neutrale Lebensmittel:
Wasser Anis- und Fencheltee Butter
Schwarzer Tee Fleisch Getreideprodukte, Mais
Alkoholische Getränke Fisch Hülsenfrüchte
Milch, Joghurt Nüsse Eier
Obst Trockenobst Datteln und Feigen
Wasserreiches Gemüse, wie Gurken oder Tomaten Scharfes Gemüse, wie Knoblauch Gemüse mit geringem Wasseranteil, wie Möhren oder Kohl
Gewürze, wie Chili oder Pfeffer

Nicht nur die Lebensmittel, sondern auch deren Zubereitung wirkt sich auf die Yin und Yang-Harmonie aus. Lebensmittel, die in viel Wasser gekocht werden, sind yin-haltigere Speisen, die gebraten oder gegrillt werden, haben dagegen eine höhere Yang-Kraft. Da jeder Mensch einen unterschiedlichen Prozentanteil von Yin und Yang in sich trägt, muss jeder Mensch vor einer Umstellung zur Yin und Yang-Ernährung analysieren lassen, zu welcher Kraft er tendiert. Menschen, deren Körper einen höheren Yang-Anteil aufweisen, sollten nach der chinesischen Lehre mehr Yin-Lebensmittel zu sich nehmen.

Homöopathische Elemente der chinesischen Medizin

Die traditionelle chinesische Medizin hat viele Ähnlichkeiten zur Homöopathie, einer  deutschen Alternativmedizin.  Sowohl in der chinesischen Medizin als auch in der  Homöopathie bilden Körper, Geist und Seele eine Einheit. Deshalb wird bei einer Therapie nicht nur die Krankheit, sondern der gesamte Mensch betrachtet. Eine Behandlung muss immer auf die Persönlichkeit des Menschen zugeschnitten werden. Erst nach einem ausführlichen Gespräch wählt der Arzt eine Behandlungsmethode. Ein entscheidender Unterschied zwischen Homöopathie und chinesischer Heilkunst besteht jedoch darin, dass die westliche Alternativmedizin Krankheiten dadurch behandelt, indem natürliche Mittel eingenommen werden, die dieselben Symptome hervorrufen wie die Krankheit. Daher kommt auch der Name Homöopathie, was so viel wie Gleichheit bedeutet.

Nach dem chinesischen Ying und Yang werden dagegen natürliche Mittel verwendet, deren Wirkung der Krankheit entgegengesetzt ist. Dadurch soll die Harmonie des Körpers wiederhergestellt werden.

Yin und Yang-Persönlichkeit durch die Fünf Element-Lehre feststellen

In der chinesischen Medizin muss jede Behandlung individuell auf den Patienten zugeschnitten werden. Bevor eine Behandlungsmethode ausgewählt werden kann, muss also erst die Persönlichkeit des Erkrankten festgestellt werden. Die chinesische Lehre geht von fünf Elementen aus, welche die Persönlichkeit eines Menschen bestimmten. Verursacht werden die fünf Elemente durch die polaren Kräfte Yin und Yang. Jeder Mensch wird mit einer individuellen Kombination der Elemente geboren. Diese Kombination macht einen Menschen einzigartig. Die folgende Tabelle stellt eine Übersicht zu den einzelnen Elementen und den ihnen zugeschrieben Charaktereigenschaften dar.

Element Kraft Persönlichkeitsmerkmale
Feuer Yang Lebensfreude, Charisma und Schönheit
Wasser Yin Entspannung und mentale Hingabe
Holz Yang Urvertrauen in das Leben, Mut und Selbstbewusstsein
Metall Yin Gerechtigkeitswillen und Kraft, Grenzen zu ziehen
Erde Neutral Vernunft und Logik, aber auch Fähigkeit zu lieben

Zusammen stellen die fünf Elemente die Lebensenergie Qi dar, die alles auf der Welt beeinflusst. Tendiert die Gesamtheit der fünf Elemente im Menschen zum Yang, so ist seine angeborene Qi-Energie positiv. Herrscht aber die Yin-Kraft vor, dann besitz der Mensch eine negative Lebensenergie. Die Begriffe negativ und positiv beziehen sich in diesem Fall nicht auf gut oder schlecht, sondern stellen lediglich zwei entgegengesetzte Pole dar, die gleichwertig zu betrachten sind.

Mit Yin & Yang-Ernährung Krankheiten vorbeugen oder heilen

Gesunde Menschen sollten eine Ernährung bevorzugen, die ihrer Lebensenergie entgegengesetzt ist. Wird ein Mensch von einer positiven Qi-Energie beziehungsweise Yang-Kraft geprägt, dann sollte er Yin-Speisen bevorzugen. So kann eine Harmonie zwischen Yin und Yang im Körper des Menschen erzeugt werden.

Bei einer Erkrankung ist die natürliche Lebensenergie des Menschen allerdings verschoben.

Bei der Behandlung von Krankheiten gehen die homöopathische und die chinesische Medizin von demselben Grundsatz aus, dass der gesamte Mensch wieder in Einklang mit sich selbst gebracht werden muss. Trotzdem empfehlen die Medizinarten eine entgegengesetzte Ernährungsweise zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten. So wird zum Beispiel in der Homöopathie beruhigend wirkendes Globuli gegen Erschöpfungszustände des Körpers eingesetzt. Globuli ist eine Substanz aus Rohrzucker. Es soll die Selbstheilungskräfte aktivieren.  So sollen Yin-Lebensmittel beispielsweise gegen Fieber helfen. Solche kalten oder flüssigen Speisen wirken dem Erhitzungszustand des Körpers nach der chinesischen Lehre entgegen. Zur Behandlung einer Erkältung sollen dagegen Lebensmittel aus dem Yang-Bereich eingesetzt werden. Scharf gewürzte Speisen oder Fencheltee können helfen. Hier eine Übersicht, welche Nahrung bei den jeweiligen Krankheiten bevorzugt werden soll.

Yang-Nahrung hilft gegen: Chronische Müdigkeit, Gereiztheit, Entzündungen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Esssucht
Yin-Nahrung hilft gegen: Stress, Aggressivität,  Appetitlosigkeit

Nach der chinesischen Medizin können Krankheiten vorgebeugt werden, indem durch die Ernährung ein Gleichgewicht zwischen Ying und Yang im Körper hergestellt wird. Dazu sollte die Ernährung nicht nur an die Persönlichkeit, sondern auch an die Jahreszeit angepasst werden. Im Frühling und Sommer überwiegen die Yang-Kräfte, wohingegen im Herbst und Winter die Yin-Kräfte stärker sind.

Bild: Robert S. Donovan CC-BY-SA 2.0